|

Als Tierheilpraktikerin und
Züchterin betreue ich seit vielen Jahren die Rasse PON-Polski-Owczarek
Nizinny, einen sehr seltenen polnischen Hütehund. Da ich immer sehr bemüht
um den Bestand der Rasse war, bin ich immer tiefer in die Hintergründe der
Hundezucht eingedrungen und habe mich mit Vererbungslehre, Genetik und vor
allem mit Erkrankungen beschäftigt. So nach und nach ist mir aufgefallen,
daß es gar nicht so einfach ist mit einer kleinen Population über
Generationen hinweg gesunde, robuste und vitale Hunde zu züchten.
Mein Ehrgeiz war erwacht und
ich beschloß gemeinsam mit einer befreundeten PON-Züchterin ein neues
"ganzheitliches Zuchtkonzept" zu entwerfen. Im Vordergrund unserer
Bemühungen steht das natürliche Fortpflanzungsverhalten und Gebärvermögen
unserer Hunde. Wir vermeiden Inzucht um die Vitalität der Hunde zu sichern.
Mit alternativen Heilverfahren wie Homöopathie, Kinesiologie, Blüten- und
Farbtherapie begleiten wir unsere Hunde durch das Zuchtgeschehen und
mobilisieren deren Selbstheilungskräfte und stärken ihr Zuchtpotential.
Das Züchten von Rassehunden
bedeutet heutzutage eine große Verantwortung. Die Zeiten der
Hinterhofzuchtstätten und Hundevermehrer sind hoffentlich endgültig vorbei.
Der aufgeklärte Welpenkäufer erwartet vom Züchter kynologisches Fachwissen
und kompetente Auskünfte. Und das zurecht! Vor allem erwartet der Käufer
einen erbgesunden Hund, hier steht ein seriöser Hundezüchter in seiner
Pflicht.
Der erste Schritt zur Zucht
eines gesunden Rassehundes ist die Auswahl geeigneter Zuchttiere. Dabei
sollte jedoch weniger auf das äußere Erscheinungsbild geachtet werden,
sondern auf die gesundheitliche Verfassung der Tiere.
Definiert man heute in
Rassehund-Kreisen den "Zuchtwert" einer Hündin oder eines Deckrüden, so geht
man in der Regel von einem "Formwert" dieses Hundes aus. Im Vordergrund des
Interesses steht hierbei fast immer das äußere Erscheinungsbild des Hundes,
seine Leistung im Wettbewerb, sein Exterieur (das stark abhängig ist von der
Haltung, die dieser erfährt), auch die Bedingungen unter denen ein Hund
aufwächst, formt dessen "Phänotyp".
Was man nur in Ausnahmefällen
beurteilen kann, ist der Erbwert eines solchen Hundes. Darunter versteht man
die Konstitution eines jeden Individuums. Die potentielle Abwehrkraft
gegenüber Krankheiten, die Widerstandskraft gegen Umwelteinflüssen und
schließlich die natürliche Fähigkeit LEBEN fortzupflanzen, Nachkommen
auszutragen und ohne Schwierigkeiten gesund auf die Welt zu bringen und
aufzuziehen.
Gemeint ist hier der
"Genotypus" eines Lebewesens, den kein Zuchtrichter und sei sein Auge noch
so streng, beurteilen kann. Hier muß der Züchter in Eigenverantwortlichkeit
handeln, indem er seine im Zuchteinsatz befindlichen Hunde auf erblich
bedingte Schwächen im Bereich Fortpflanzung kritisch, zum Wohle der Rasse,
betrachtet.
Zeigt ein Tier in diesem
lebenserhaltenden, biologischen Instinktverhalten Ausfälle, würde es unter
natürlichen Bedingungen nicht zur Fortpflanzung kommen, die Gattung würde
dadurch vor Erbdefekten geschützt.
Bei den von uns Menschen
sorgsam umhüteten Tieren lassen sich leider Fortpflanzungsdefekte durch
menschliche Einwirkung und Techniken ausgleichen. Es gibt kaum ein Problem,
daß man nicht durch künstliche Aufzuchtbedingungen in den Griff bekommen
kann. Wer also glaubt, es genüge, eine gute Hündin mit den besten
Bewertungen mit einem ebensolchen Rüden zu verpaaren und alles gehe in
Ordnung, der irrt. Leider zeigt die züchterische Praxis, gerade in den
letzten Jahren, daß vermehrt konstitutionelle Schwächen auftreten.
Fruchtbarkeitsstörungen nach dem vollzogenen Deckakt, Paarungsunwilligkeit
und Geburtsschwierigkeiten sind heute leider keine Seltenheit mehr und
bedürfen unserer Aufmerksamkeit. Was anfangs noch als relativ leichte
Geburtsschwierigkeit eingestuft werden kann, steigert sich fast zwangsläufig
von Generation zu Generation. Kommt es zu genetisch bedingten Verlusten,
betrifft das alle weiteren Nachkommen.
Aus diesem Grund haben wir
bei unseren PONs das natürliche Fortpflanzungsgeschehen in den Vordergrund
gerückt und sehen es als eines der wichtigsten Selektionsmerkmale an.
In erster Linie liegt uns
allen das Wohlergehen unserer Hunde am Herzen. Unsere Rassehunde sollen noch
vielen Hundefreunden Vergnügen bereiten. Uns Züchter obliegt die
Verantwortung für die nächsten Generationen von Hundekindern. Hundefreunde,
Züchter wie Halter, sollten sich beim Thema Erbkrankheiten und Genverarmung
durch zu enge Linienzucht nicht angegriffen fühlen, sondern sich kritisch
den Diskussionen stellen und aktiv werden, um den Rassehund gesund zu
erhalten.
Das Team des Instituts für
ganzheitliche Hundezucht hat sich diese Aufgabe zum Ziel gesetzt.
Ein Artikel von Karin Jetter.
|